Ausführliche Biografie der Künstlerin

 Aus der Zeitschrift "Signora", Februar 2002

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von Christian Lenoble

           Renée-Maria von Othegraven

  • Geboren: 2.7.1950 in Essen in BRD
  • 1970: Übersiedlung nach Österreich
  • 1972 bis 1977: Ausbildung in Restaurierung, Bildhauerei, Design und Malerei
  • 1977 - 1999: eigenes Atelier für Restaurierung und Bilderrahmen, Bühnenbildgestaltung für Leonard Bernstein und Herbert von Karajan,
    Einrichtungsgestaltung  im Haus Samy Molcho/Klosterneuburg und im Haus Alma Mahler-Werfel am Semmering.
  • Seit 1998: Schwerpunkt Malerei, Design und Poesie, zahlreiche öffentliche Ausstellungen

Diese Frau hat etwas Magisches. Traurig macht mich bloß die Diskrepanz zwischen der großartigen Schönheit und dem geringen Bekanntheitsgrad ihres Schaffens. Ein Jammer für die Kunstwelt und vor allem für jene, die noch nie das Glück hatten, von der inneren Kraft der Malerin erfasst und inspiriert zu werden. Die Rede ist von Renée-Maria von Othegraven, und das euphorische und neidlose Urteil eines Künstlerkollegen macht Lust, eine Frau näher kennen zu lernen, die bislang nur in Insiderkreisen von sich reden gemacht hat.

Vor rund 50 Jahren wurde Renée-Maria von Othegraven im deutschen Essen in eine Welt hineingeboren, die vom adeligen Geschlecht der Eltern und den künstlerischen Taten des malenden Großvaters geprägt war. „Adel verpflichtet" lautete das  Motto für Renée bereits in der Kindheit. Damit meinte sie jedoch weder  Hochnäsigkeit noch gesellschaftliche Coutumes, sondern eher Werte wie Offenherzigkeit, edle Gesinnung und Treue zu sich selbst. „Ich bin in dem Bewusstsein herangewachsen, dass etwas Besonderes in mir ist und ich die Verpflichtung habe, das auch zu leben." Ohne Spuren weltfremder Überheblichkeit verlässt sich die junge Othegraven von Beginn an auf das, was sie zutiefst im Inneren berührt.

Als Volksschulmädchen wühlt sie Tschaikowskis Musik auf, in den Jugendjahren sind die Lektüre von Goethes „Faust" und das Studium von Michelangelos Werken die wesentlichsten Inspirationsquellen. In aller Ruhe reifen in der jungen Dame künstlerische Talente heran, die es ihr erlauben, „diesen unerklärlichen Gefühlen" nach und nach Ausdruck zu verleihen. Nach ihrer Übersiedlung nach Wien beginnt die damals 20-Jährige, sich als Restauratorin auszubilden, lernt die Bildhauerei kennen, begeistert sich fürs Schnitzen und für Bilderrahmen. Als freie Mitarbeiterin im Theater an der Wien arbeitet sie einige Jahre später unter

 

anderem an dem  Bühnenbild von Cats und formt Skulpturen für Musikfilme von Leonard Bernstein und Herbert von Karajan. 1977 folgt die Gründung des eigenen Ateliers, in dem Othegraven ihre Interessen für Restaurierung, Farbgestaltung, Möbelmalerei und kunstgemäße Bilderrahmung vertieft. Daneben widmet sie sich dem Verfassen von Prosa, Gedichten und. kunsttheoretischen Betrachtungen. Auch die Innenarchitektur fasziniert das Multitalent. So übernimmt sie  u.a. die Einrichtungsgestaltung im Haus des Pantomimen Samy Molcho und im Haus Alma Mahler-Werfel am Semrnering Dort entsteht dann im Juni 2000 auch ein Aquarellzyklus, wie ebenso einen Monat später von der  Josef Hofmann-Villa am Wörthersee, im besonderen von der dazugehörigen Seerosenbucht.

Othegravens Umtriebigkeit in Sachen Kunst kennt keine Grenzen. Doch anstatt sich in der Vielfalt ihres Tuns zu verlieren, nutzt die Künstlerin ihre Lust am Malen, Dichten, Bauen und Gestalten, um sich dem anzunähern, was sie am stärksten in den Bann zieht: „Es ist das Innerste Wesen allen Seins, danach suche ich und will es in eine künstlerische Form bringen." Am. stärksten zieht es die in künstlerischen Belangen universal Begabte in den letzten Jahren zur Malerei. In einer ungewöhnlichen Nass-in-Nass-Aquarell-Technik drückt Othegraven ihre Leidenschaft für Farben und Formen aus. „Das Malen ist wie ein religiöser Akt. Ich verliebe mich in eine Bewegung, ein Bild, einen Anblick, und dann muss ich es einfach zu Papier bringen." Liebe in Orange, ein wenig Lila, vielleicht Preußischblau, Wärme und Zärtlichkeit in Blau und Gelb, manchmal Grün - die Bilder von Othegraven sind eindrucksvolle Zeugnisse von Stimmungen. Mit zwei großen Ausstellungen, zuletzt im Museumsquartier und im Parlament, sucht die Künstlerin mit 51 Jahren nun erstmals den Weg in eine breitere Öffentlichkeit.

Ein Glücksfall für die Liebhaber der Malerei - oder. um mit den Worten ihres bewundernden Kollegen zu sprechen: „Wenn Sie demnächst von einer Vernissage von Renée-Maria von Othegraven hören, dann gehen Sie bitte hin - und lassen Sie sich einfach berühren ..."

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